„Hand und Arbeit, Geste und Abdruck“ von Anette Rose

Projektstipendium 2009

Zum Werkstattgespräch mit Wissenschaftlern und zur Führung durch ihre Ausstellung lädt die Künstlerin und Stipendiatin Anette Rose ins DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst am 28. November um 13 Uhr ein.

Gegenstand der künstlerischen Forschung und des Werkstattgesprächs von Anette Rose sind Handgriffe im Arbeitsprozess. Sie beobachtet den Umgang mit Material und Maschinen. Ihre Videoaufnahmen unterschiedlicher Tätigkeiten zeigt sie in Sequenzen, in denen die vielfältigen Fähigkeiten der Hand beim Formen von Werkstoffen und die Automatisierung der Abläufe sichtbar wird.

Ihre Videoinstallation "Hand und Arbeit, Geste und Abdruck", die am 1. November im DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst eröffnet wurde, zeigt eine Auswahl von Filmaufnahmen der Kempker Gießerei und der ABC Klinkergruppe.

Während die Videoinstallation Zusammenhänge der einzelnen Beobachtungen herstellt, bietet das öffentliche Werkstattgespräch den Rahmen die vielfältigen Kompetenzen von Personen zusammenzuführen, die in unterschiedlichen Gewerken arbeiten und forschen. Die Künstlerin möchte zum Austausch ihrer Blickwinkel anregen. Eingeladen sind die Mitarbeitern der Kempker Gießerei und alle Gäste, die Interesse an Handhabungen im Arbeitsprozess und ihrer Automatisierung haben.

Für anatomische, technologische, kultur- und kunsthistorische Fragestellungen, lädt die Künstlerin den Handchirurg, Dr. Martin Langer, den Neuroinformatiker Prof. Dr. Helge Ritter, den Kultur- und Religionswissenschaftler Dr. Manfred Bauschulte und die Kunstwissenschaftlerin Dr. Franziska Uhlig ein.

Der Handchirurg zeichnet und operiert Hände und der Neuroinformatiker entwickelt künstliche Hände für Roboter. Erst bei dem Versuch die Hand zu operieren, ihre Funktion wieder herzustellen bzw. sie künstlich zu ersetzen, wird die Komplexität der Hand deutlich.

An Hand von den filmischen Beobachtungen unterschiedlicher Tätigkeiten stellt die Künstlerin Fragen zu den vielfältigen Fertigkeiten der Hand und der Automatisierung der Abläufe.  Ist die Hand das Modell aller Werkzeuge? Wie wirken Hand und Auge zusammen im Arbeitsprozess? Auf welche Weise ersetzen Automaten die Handarbeit? Was zeichnet die haptile Intelligenz aus?

Jenseits der kulturell festgeschriebenen Trennung in Hand- und Kopfarbeit geht es der Künstlerin um die vielfältigen Verknüpfungen von Greifen und Begreifen – zwischen Hand, Auge und Wort.

Am Samstag den 28. November um 13 Uhr führt Anette Rose durch ihre Videoinstallation und eröffnet um 14 Uhr das Werkstattgespräch im DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst.
Für alle BesucherInnen, die am gesamten Tagesprogramm teilnehmen möchten, findet zusätzlich um 11.30 Uhr eine Werkstattführung durch die Kempker Gießerei statt. Anmeldungen sind unter folgender Rufnummer 05459-914615 erwünscht.

Ausstellungsbegleitendes Programm am 28.11.09:
Werkstattführung: 11.30 Uhr | Kempker Gießerei, Friedrich-Wilhelm-Straße 39, 48477 Hörstel-Gravenhorst
Führung durch die Videoinstallation: 13.00 Uhr DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst
Brotzeit: 13.30 - 14.00 Uhr
Werkstattgespräch: 14.00 Uhr | DA, Kunsthaus Kloster Gravehorst mit Werktätigen und PD Dr. Martin Langer, Handchirurg | Prof. Dr. Helge Ritter, Neuroinformatiker | Dr. Manfred Bauschulte, Kulturhistoriker | Dr. Franziska Uhlig, Kunsthistorikerin
Anmeldung: bis 19.11.09 erwünscht


Enzyklopädie der Handhabungen

Die Arbeiten der Künstlerin Anette Rose kreisen um die nonverbale Körpersprache. Sie filmt synchron Gesicht und Hände, Mimik und Handgriffe. Es sind Arbeits- und Ausdruckgesten, die sie miteinander in Beziehung setzt: Wie wirken Hände und Augen in verschiedenen Arbeitsprozessen zusammen? Auf welche Weise ersetzen Maschinen die Handarbeit? Ihre Beobachtungen in Werkstätten, Laboren, Operationssälen, Museen und Bibliotheken und ihre Fragestellungen vernetzt sie in Installationen ihrer „Enzyklopädie der Handhabungen“. Der Katalog dokumentiert ihre Enzyklopädie im Ausstellungskontext und Montagen des Recherchematerials erlauben einen Einblick in die künstlerische Forschung als Teil des Werkprozesses.

>>hier geht es zur Katalogansicht

Herausgegeben von Anette Rose mit einem Textbeitrag von Ines Lindner
Gestaltung Stephan Fiedler, Anna Sartorius
ISBN: 978-3-86678-445-1  | Preise: 18,90 € 28,50 SFr.


„Hand und Arbeit, Geste und Abdruck“ von Anette Rose

Ist die Hand das Modell aller Werkzeuge?

Gegenstand der künstlerischen Forschung von Anette Rose sind Handgriffe im Arbeitsprozess. Sie beobachtet den Umgang mit Material und Maschinen. Ihre Videoaufnahmen†unterschiedlicher Tätigkeiten komprimiert sie in Sequenzen, in denen die Versalität der Hand beim Formen von Werkstoffen und die Automatisierung der Abläufe sichtbar wird. Zur Ausstellungseröffnung am 1. November im DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst zeigt Anette Rose ein Auswahl von Filmaufnahmen der Kempker Gießerei und der ABC Klinkergruppe in ihrer Videoinstallation "Hand und Arbeit, Geste und Abdruck".

Wie wirken Hand und Auge zusammen im Arbeitsprozess?

Um dieser Frage nachzugehen filmt sie Gesicht und Hände mit zwei Kameras synchron während unterschiedlicher Arbeitsprozesse in der Modelltischlerei, Kernmacherei und Schleiferei der Kempker Gießerei in Gravenhorst. Es werden Abdrücke von Werkstücken in Sand geformt, gesägt, geschliffen und verputzt.

Auf welche Weise ersetzen Automaten die Handarbeit?

ABC Klinker in Hörstel filmt sie mit einer Kamera und montiert die automatisierten Abläufe hintereinander. Zu sehen ist wie Ziegelsteine gepresst, genarbt, geschnitten und von Greifern sortiert und gestapelt werden.Der Vergleich von Produktionsprozessen mit der Hand und der Maschine zeigt einerseits die Komplexität der Hand und andererseits den Erfindungsgeist diese zu ersetzen.

Gibt es eine haptile Intelligenz?

Anette Roses Blick ist nicht nostalgisch. Sie interessiert die „haptile“ Intelligenz. Mit ihren genauen filmischen Beobachtungen unterschiedlicher Arbeitsprozesse und in Gesprächen mit Experten und Werktätigen geht sie dieser Frage nach. Sie legt so ein Archiv der besonderen Art an.* Die von ihr vor Ort realisierte Videoinstallation „Hand und Arbeit, Geste und Abdruck“ basiert auf Ihrem Langzeitprojekt „Enzyklopädie der Handhabungen“. Ein Videoprojekt, das sie seit 2005 verfolgt. Zur Vernetzung des vielfältigen Wissens zu den Handhabungen lädt sie ausstellungsbegleitend am 28. November 09 zum Werkstattgespräch ein. Jenseits der kulturell festgeschriebenen Trennung in Hand- und Kopfarbeit geht es der K¸nstlerin um die haptile Intelligenz und die vielfältigen Verknüpfungen von Greifen und Begreifen – zwischen Hand, Auge und Wort.

* siehe Dr. Ines Lindner Ausstellungskatalog „Colossal • Kunst Fakt Fiktion"
"...Anette Roses Blick auf die Werkprozesse ist nicht nostalgisch. Sie interessiert sich für die haptile Intelligenz, die sich nur mit enormem technischen Aufwand in eine Robotik¸ bersetzen lässt. Dieser haptilen Intelligenz fragt sie in den genauen Beobachtungen nach und in Gesprächen mit Experten: In wieweit prägt diese spezifische Intelligenz, die sich aus dem Zusammenspiel von Hand und Auge er gibt, unser Denken? Welche Rolle spielt es in der Forschung zur künstlichen Intelligenz? Der Prothetik? Wührend die Künstlerin im Bereich der Forschung und Entwicklung unterwegs ist, arbeitet sie zugleich mit†ihrer Enzyklopädie der Handhabungen an einem Archiv der besonderen Art: Der konzentrierte Blick und die ökonomie der Mittel stellt Anette Roses Arbeit in die Tradition der Sozialphotographie eines August Sanders und der Industriearchäologie der Bechers. Wie ihre Arbeit ist auch die von Anette Rose dokumentarisch. Wie sie legt sie ein Archiv an, das nicht allein aufhebt, sondern überhaupt erst bewusst sichtbar macht.  Wie sie arbeitet sie an einer Reduktion des Gegebenen, um das Bestimmende herauszuarbeiten. Für alle drei ist das serielle Moment entscheidend: Aus der Reihe des Ähnlichen tritt das Besondere umso stärker hervor und bleibt doch Teil eines Zusammenhangs. Einer konkret erfahrenen Wirklichkeit.
Wie Auswahl und Aufnahme der Industriearchitektur bei den Bechers nach genauen Regeln er folgt, die für eine nach Licht und Positionierung einheitlichen Erscheinung sorgen, so stellt ein Set von Regeln das auch für Roses Videoaufnahmen in den Betrieben sicher.  Die Arbeit daran, die Kameraeinstellungen, Schnitt und Zusammensetzung der Aufnahmen zeigen die Formstrenge des Minimalismus. Anders als bei den Minimalisten aber steht sie in Spannung zum engagierten Blick auf ihr Sujet. Roses Arbeit ist unsentimental und genau in ihrem Blick auf die Arbeitenden und die Werkprozesse. So individuell uns die einzelnen Gesichter und Gesten gegen¸bertreten, sehen wir zugleich die eindringliche Bestandsaufnahme von Kulturtechniken einer industrialisier ten Gesellschaft. …"

Mit freundlicher Unterstützung


COLOSSAL

Anlässlich der 2000sten Jährung der Varusschlacht findet in und um Osnabrück die Ausstellung COLOSSAL statt.

Unsere diesjährigen Stipendiatin Anette Rose ist Teil dieses internationalen Kunstprojekts. 20 renommierte Künstlerinnen und Künstler aus dreizehn verschiedenen Nationen präsentieren künstlerisch ihre Sicht auf die Varusschlacht. Seit dem 25. April 2009 bis Ende 2011 ist an 14 verschiedenen Standorten internationale Kunst zum Thema Varusschlacht zu besichtigen. Im Rahmen des von Jan Hoet kuratiertem Kunstparcour an mehreren Standorten zeigt Anette Rose ihre Arbeit im Tuchmachermuseum Bramsche.

www.colossal.de.com

 

Fotos von Thomas Mayer  www.thomasmayerarchive.de